16.03.2021
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Einleitung: 

Die Lage in Gaza aber auch im Westjordanland habe sich in den letzten zwanzig Jahren verschärft. Die Unterdrückung durch die Besatzungsmacht Israel sei heute schlimmer als jemals zuvor und mit mehr Gewalt verbunden, so Sara Roy, leitende Forscherin am Center for Middle Eastern Studies der Harvard University. Das habe nicht nur die palästinensische Wirtschaft zerstört, sondern auch „jedes Gefühl der nationalen oder politischen Zusammengehörigkeit“. Viele Israelis, die an sich Frieden wollten, schauten aber weg. Als Tochter von Eltern, die die Vernichtungslager in Ausschwitz und Kulmhof überlebt haben, könne sie zu der israelischen Besatzungspolitik nicht schweigen. Ihre Eltern hätten sie gelehrt, dass „wer Unrecht nicht anspricht, sich selbst zum Mittäter macht“. Auch Deutsche sollten den „Mund aufmachen“ und sagen: „Dass muss aufhören“, weil es auch den Juden schade. „Das heißt nicht gegen Israel sein. Im Grunde heißt genau das: für Israel sein.“ Das Interview mit Sara Roy hat Kontext TV vor einigen Jahren aufgezeichnet.

Gäste: 

Sara Roy, Nahostexpertin und Politikwissenschaftlerin der Harvard University

Die Lage in Gaza aber auch im Westjordanland habe sich in den letzten zwanzig Jahren verschärft. Die Unterdrückung durch die Besatzungsmacht Israel sei heute schlimmer als jemals zuvor und mit mehr Gewalt verbunden, so Sara Roy, leitende Forscherin am Center for Middle Eastern Studies der Harvard University. Die israelischen Behörden hätten großen Schaden angerichtet. Den Palästinenser werde durch Land- und Wasserraub, Zerstörung von Wohnraum und ökonomischer Blockadepolitik ein Leben in Würde verweigert. Der Gazastreifen sei trotz gegenteiliger Rhetorik weiter ein besetztes Gebiet, eine Art Gefängnis, das nach außen abgeschottet werde, auch vom Westjordanland. Das habe nicht nur die palästinensische Wirtschaft zerstört, sondern auch „jedes Gefühl der nationalen oder politischen Zusammengehörigkeit“. Verantwortlich dafür sei vor allem der Oslo-Friedensprozess, der von Anfang an „extrem destruktiv“ gewesen sei, so Roy.

Seit dem Abkommen von Oslo 1993 wurde das Westjordanland immer mehr zerstückelt und durch israelische Siedlungen, Mauern und Straßen voneinander abgetrennt. Heute gibt es über 200 Enklaven im Westjordanland, in denen die Palästinenser auf wenig Raum leben. Die Übergänge, versehen mit 600 Checkpoints, sind oft schwer zu passieren. Zum Jordantal gibt es nur sehr eingeschränkten Zugang für Palästinenser. Das mache ein normales Leben unmöglich und die Bewohner abhängig von internationalen Hilfslieferungen. Letztlich weigere sich die israelische Regierung, „das Land mit den PalästinenserInnen zu teilen“. Viele Israelis, die an sich Frieden wollten, schauten aber weg. Das sei fatal, da Verständnis für die Lage der Palästinenser Schlüssel für eine Konfliktlösung sei, so Roy.

Die Hamas, die immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiere, sollte bei den Verhandlungen für eine Zweistaatenlösung einbezogen werden, sagt Roy. Denn ohne die Hamas sei eine Konfliktlösung nicht denkbar. Als Tochter von Eltern, die die Vernichtungslager in Ausschwitz und Kulmhof überlebt haben, könne sie zu der israelischen Besatzungspolitik nicht schweigen. Ihre Eltern hätten sie gelehrt, dass „wer Unrecht nicht anspricht, sich selbst zum Mittäter macht“. „Mir ist unbegreiflich wie irgendjemand, und erst recht eine jüdische Person, das rechtfertigen kann.“ In den letzten Jahren sei die liberale jüdische Gemeinschaft in den USA, die die Besatzung zum Teil scharf kritisiert, erheblich gewachsen. Auch Deutsche sollten den „Mund aufmachen“ und sagen: „Dass muss aufhören“, weil es auch den Juden schade. „Das heißt nicht gegen Israel sein. Im Grunde heißt genau das: für Israel sein.“